SPD Ortsverein Gießen-Wieseck
Tradition seit 1890

SPD-Politiker

In Wieseck finden sich zahlreiche Hinweise auf SPD-Politiker, sei es durch deren Wirken und Leben in Wieseck und/oder als Namensgeber für Straßen. Hier ein kleiner Überblick:


Dr. Abraham Bar Menachem (geboren am 16.05.1912 in Wieseck, gestorben am 24.03.2017 in Netanya)

Hörsaal Dr. Abraham Bar Menachem - JLU Gießen

Als Alfred Gutsmuth wurde Dr. Bar Menachem in der damaligen Alicenstraße (heute Karl-Benner-Straße) in Wieseck geboren. Im Jahr 1930 wurde Gutsmuth Mitglied in der Wiesecker SPD. Nach seinem Studium der Rechtwissenschaft promovierte er noch 1933 an der damaligen Ludwigs-Universität Gießen. Als Jude wurde er von den Nationalsozialisten aber nicht mehr zum Referendarsexamen zugelassen. Daher verließ er Deutschland im Jahr 1934, um in den Niederlanden das Tischlerhandwerk zu erlernen. 1938 wanderte er schließlich nach Palästina aus. Viele Jahre war Bar Menachem Oberbürgermeister der israelischen Küstenstadt Netanya. Mit einer anderen Wiesecker Politgröße - Albert Osswald - begründete er dann 1978 die Städtepartnerschaft Gießen-Netanya. Bar Menachem galt als Wegbereiter der Annäherung und Aussöhnung zwischen dem jüdischen und dem deutschen Volk. 1983 erhielt er das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Für sein Lebenswerk ernannte ihn die Stadt Gießen im Jahre 1987 zum Ehrenbürger. Bar Menachem starb im Alter von 104 Jahren in Netanya. Mit der Benennung eines Hörsaals im Campusbereich Recht und Wirtschaft ehrte die Justus-Liebig-Universität Gießen Bar Menachem postum.


Albert Osswald (geboren am 16.05.1919 in Wieseck, gestorben am 15.08.1996 in Schwangau)

Albert-Osswald-Platz in Wieseck

Albert Osswalds Vater - Karl Osswald - war ein zutiefst politisch geprägter Mann, der seit dem Gründungsjahr 1890 Mitglied der Wiesecker SPD sowie deren langjähriger Vorsitzender war. Nach der Mittleren Reife besuchte Albert Osswald in Gießen die Handelsschule und absolvierte eine kaufmännische Lehre. Geprägt vom politischen Wirken des Vaters trat er nach Kriegsende und der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft am 01.10.1945 in Wieseck in die wiedergegründete SPD ein. Schnell kam die politische Karriere in Schwung. So wurde Osswald zunächst Stadtverordneter in Gießen, dann Stadtverordnetenvorsteher, Bürgermeister und Kämmerer sowie 1957 schließlich Oberbürgermeister. Seit 1954 war er zudem Mitglied des Hessischen Landtages. Im Jahr 1963 wechselte Osswald vom Gießener Rathaus in die Hessische Landesregierung. So wurde er zum Hessischen Staatsminister für Wirtschaft und Verkehr in die von Ministerpräsident Georg August Zinn geführte Landesregierung berufen. Bereits im September 1964 wurde der gelernte Kaufmann Osswald Hessischer Finanzminister. Einen Monat später agierte er auch auf politischer Bundesebene, als Mitglied des Bundesrates. Neben dem Landesvorsitz der SPD in Hessen wurde Osswald nach dem Rücktritt von Georg August Zinn schließlich am 03.10.1969 zum Ministerpräsidenten des Landes Hessen gewählt. Von 1975 bis 1976 amtierte er darüber hinaus turnusgemäß als Bundesratspräsident, ehe Osswald im Oktober 1976 nach heftigen landespolitischen sowie innerparteilichen Auseinandersetzungen die politische Verantwortung übernahm und von seinem Amt als Ministerpräsident zurücktrat. Die Herausforderungen und Leistungen des bekannten "Wissischer Bubs" in der Nachkriegszeit lagen in Gießen vor allem im Wiederaufbau sowie in der Zukunftsplanung. Vom Wohnungsbau über den Schwanenteich, die Wieseckaue, die Kongresshalle, den Bädern an der Ringallee bis zur Zentralisierung der Stadtverwaltung. Albert Osswald starb am 15.08.1996 als Träger hoher Auszeichnungen, unter anderem der Wilhelm-Leuschner-Medaille und dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband - seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof seines geliebten Wiesecks.


Dr. Frank-Walter Steinmeier (geboren am 05.01.1956 in Detmold)

Bild: Katrina Friese

Nach dem Abitur und dem Wehrdienst führte das Schicksal bzw. die Zentrale Vergabestelle für Studienplätze (ZVS) Steinmeier ab 1976 für das Studium der Rechtswissenschaft nach Gießen an die Justus-Liebig-Universität. Seit 1980 studierte er zusätzlich Politikwissenschaften. Nach dem Ersten Staatsexamen im Jahr 1982 folgte das Referendariat in Frankfurt am Main und Gießen, ehe Steinmeier 1986 die Zweite Juristische Staatsprüfung bestand. Im Anschluss war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Politikwissenschaft tätig. Hier lernte er auch die frühere Justizministerin Brigitte Zypries kennen und traf schließlich auf die damalige Jura-Studentin Elke Büdenbender, mit der er bis heute verheiratet ist. Im Jahr 1991 promovierte Steinmeier mit dem Titel "Bürger ohne Obdach (...)". In seiner gesamten Gießener Zeit lebte Steinmeier in Wieseck in der heutigen Brunnengasse in einer ehemaligen Zigarrenfabrik in einer Wohngemeinschaft. Anschließend wechselte Steinmeier in die Niedersächsische Staatskanzlei nach Hannover, zunächst als Referent für Medienrecht sowie Medienpolitik und später als Chef der Staatskanzlei. 1998 wurde Steinmeier schließlich Staatssekretär im Bundeskanzleramt und Beauftragter für die Nachrichtendienste, ab 1999 zugleich Chef des Bundeskanzleramtes. Das Amt des Bundesministers des Auswärtigen trat er 2005 an und fungierte ab 2007 auch als Vizekanzler. Im Jahr 2009 zog er nach dem Gewinn eines Direktmandats in den Bundestag ein, die SPD-Bundestagsfraktion wählte Steinmeier zum Vorsitzenden. Vier Jahre später übernahm er erneut das Außenamt und leitete dieses bis Januar 2017, ehe er am 12.02.2017 zum 12. Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt wurde. Am 13.12.2022 bestätigte die Bundesversammlung Steinmeier für eine zweite Amtszeit.


In Wieseck finden Sie zudem mehrere Straßen, die nach SPD-Politikern benannt wurden:

Liebknecht
Ulrich
Scheidemann
David
Benner
Ritzel


Wilhelm Liebknecht (geboren am 29.03.1826 in Gießen, gestorben am 07.08.1900 in Berlin)
Einer der Gründerväter der SPD, Chefredakteur des "Vorwärts", Vorreiter für Chancengleichheit in der Bildung


Carl Ulrich (geboren am 28.01.1853 in Braunschweig, gestorben am 12.04.1933 in Offenbach a. M.)
Einer der jüngsten Delegierten beim SPD-Gründungsparteitag , erster Staatspräsident des Volksstaates Hessen


Philipp Scheidemann (geboren am 26.01.1863 in Kassel, gestorben am 29.11.1939 in Kopenhagen)

Reichsministerpräsident, Oberbürgermeister von Kassel, verkündete am 09.11.1918 von einem Balkon des Reichstagsgebäudes aus den Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreiches und proklamierte die Republik


Dr. Eduard David (geboren am 11.06.1863 in Ediger a. d. Mosel, gestorben am 24.12.1930 in Berlin)

Lehramtsstudium in Gießen, Reichstagsabgeordneter, Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, erster Präsident der Weimarer Nationalversammlung, Reichsminister


Karl Benner (geboren am 15.05.1889 in Alten-Buseck, gestorben am 06.12.1955 in Wieseck)
Mitglied für die SPD im Kreistag und im Kreisausschuss, von 1946 bis 1948 Landrat im Landkreis Gießen, Magistratsmitglied und Stadtverordneter der Stadt Gießen


Heinrich Ritzel (geboren am 10.04.1893 in Offenbach a. M., gestorben am 19.06.1971 in Basel)

Studium u. a. der Rechts- und Staatswissenschaften in Gießen, Bürgermeister in Michelstadt, Mitglied im hessischen Landtag, Reichstagsabgeordneter, Generalsekretär der Europa-Union