Das rote Wieseck

Von Marburg her näherte sich der Stadt Gießen eine Autokolonne, an der Spitze eine Luxuslimousine mit bunter Standarte. In dem Wagen saßen Seine Majestät Kaiser Wilhelm II. und seine Gemahlin Kaiserin Auguste Viktoria. Ihnen gegenüber hatte Seine Exzellenz der Flügeladjutant Platz. Seine Majestät sah nach links in die Talmulde nieder und geruhte zu bemerken:„Welch ein entzückendes Dörfchen dort! Der Generaladjutant räusperte sich und antwortete:„Aber Majestät, das rote Wieseck! Hierauf der Kaiser:„Pfui Teufel, das rote Wieseck!
 

 

Die Fahne

Erst gab es nur eine Geschichte. Die Fahne, auf deren Existenz der SPD - Ortsverein Wieseck sein Jubiläum gründet, sei während des Naziregimes unter persönlichen Gefahren von einem gewissen Willi Holland versteckt worden. Als es dann Mitgliedern des Ortsvereins gelang, seine Schwiegertochter in der DDR ausfindig zu machen, erfuhren wir mehr.

 

 

 

 

Willi Holland wohnte in der Philosophenstraße 36, geboren wurde er am 25. August 1895. Wahrscheinlich seit 1921 war er Mitglied der SPD gewesen. Die Schwiegertochter wußte aus Erzählungen, daß der Vater die SPD - Fahne von 1890 in seinem Bett und im Hasenstall versteckt hielt, damit sie den Nazis nicht in die Hände fiel. Sein Sohn Harry mußte des öfteren Schläge von seinem Vater einstecken, weil er die Fahne immer wieder aus dem Bett hervorkramte. Zwischen 1933 und 1945 wurde Willi Holland mehrmals verhaftet, er mußte in unregelmäßigen Abständen Verhöre über sich ergehen lassen, wurde geschlagen und mit Einlieferung ins KZ bedroht. Zusätzlich nahmen ihn die Nazis mehrfach in Schutzhaft.

Vorsitzende des SPD - Ortsvereins Wieseck seit 1945

    Karl Benner
    Otto Müller
    Willi Grahl
    Adolf Weller
    Willy Oswald
    Dr. Walter Schneider
    Ernst Schomber
    Gerhard Oswald
    Dieter Steil
    Rudi Seibert
    Wolfgang Bellof
    Oliver Persch
    Rainer Hofmann

     

Chronik der Stadt Gießen

775

Wieseck sowie die Wüstungen Selters und Ursenheim werden erstmals urkundlich erwähnt.

1150

Um diese Zeit lässt Graf Wilhelm von Gleiberg im Mündungsgebiet der Wieseck in die Lahn die Wasserburg "Zu den Giezzen" errichten

1197

Ersterwühnung Giessens: in einer Urkunde erscheint "Salome comitissa de giezzen"

1248

Giessen wird erstmals als Stadt bezeugt

1264/65

Übergang der Herrschaft Giessen an die Landgrafen von Hessen

ca. 1300

Bau einer zweiten Burg, heute "Altes Schloss" ab Brandplatz, Erweiterung und Verbesserung der Strassenbefestigung

1325

Erste bekannte Stadterweiterung: Landgraf Otto I. gibt den Bürgern der "Neustadt" und allen anderen, die vor der Mauer wohnen, dieselben Rechte wie den Bürgern innerhalb der Mauern

ca. 1370

Nach den landgräflichen Burgmannen treten gleichberechtigt der Bürgermeister und der Rat der Stadt Giessen

1430

Landgraf Ludwig II., der "Friedfertige" verleiht der Stadt eine erweiterte Ratsordnung, neben den "Schöffenrat" tritt der "gemeine" Rat

1442

Landgraf Ludwig II. verleiht der Stadt das Recht, im Jahr zwei Jahrmärkte abzuhalten

ca. 1450

Bau des alten Rathauses (am Marktplatz)

ca. 1470

Neubau eines Hospitals und Gotteshaus für die Kranken (Hospital schon 1393 erwähnt), gelegen am Seltersweg in der Höhe der heutigen Maigasse

1484

Bau der Stadtkirche (St. Pankratius)

1489

Kapelle bei dem Siechenhaus zu den "Guten Leuten" (Aussätzige) in der Nähe der heutigen Wieseckbrücke in der Frankfurter Strasse erbaut

1489

Landgraf Wilhelm III. schenkt seiner Stadt Giessen einen Teil des Hangelstein als Ausgleich für die schweren Schäden, die ein Brand kurz zuvor in der Stadt verursachte

1525/26

Soziale und religiöse Unruhen in der Stadt im Zusammenhang mit Bauernkrieg und Reformation

1529

Pestepedemie in Giessen

1530

Landgraf Philipp der Grossmütige lässt Giessen zu einer wehrfähigen Festung ausbauen

1530-32

Errichtung des "Alten Friedhofs" am Nahrungsberg

1533-37

Bau eines Neuen Schlosses

1547

Schleifung der Festung auf Befehl des Kaisers, nach der Niederlage Philipps des Grossmütigen bei Mühlhausen

1560 Mai 27

Grosser Brand in Giessen. 168 Gebäude, meist in Gegend des Walltores, fallen dem Feuer zum Opfer und werden teilweise nicht wiederaufgebaut ("Brandplatz")

1560-1564

Wiederaufbau der Festung

1567

Giessen wird bei der Teilung des Landes der Landgrafschaft Hessen-Marburg zugeschlagen

1582

Erste Steinbrücke über die Lahn (1552 war die hölzerne Brücke bei einem Hochwasser weggeschwemmt worden)

1586-1590

Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg lässt durch den Baumeister Eberdt Baidewein den Renaissancebau des Zeughauses errichten

1604

Giessen fällt an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt

1605

Das Gymnasium wird als Vorläufer der Universität eröffnet

1607

Giessen wird Universitätsstadt.
 Durch ein Privileg von Kaiser Rudolf II. wird am 19. Mai die Universität gegründet, um im lutherischen Hessen-Darmstadt ein Gegengewicht gegen die reformierte Universität Marburg zu schaffen

1607-1611

Bau des Collegiengebäudes (Universität)

1609

Der Botanische Garten, heute der älteste seiner Art in Deutschland, wird eröffnet

1624-1650

Rückverlegung der Universität nach Marburg

1634-1635

Schwere Pestzeit in Giessen; mehr als 1500 Tote

1650

Wiedereröffnung der Universität

1707

Stadt verkauft ihren Anteil (4/7) an die Markgenossenschaft Altenstruth an Wieseck und Alten-Buseck

1722/23

Reglement des Landgrafen regelt das Finanzwesen der Stadt nach Jahren der Misswirtschaft und einer Finanzkrise Die Selbstverwaltung der Stadt wird stark eingeschränkt

1750

Die erste Zeitung Giessens, das "Giessener Wochenblatt" erscheint

1758-1763

Besetzung der Stadt durch die Franzosen während des 7-jährigen Krieges

1773

Christian v. Schwalbach, der letzte Giessener Burgmann, stirbt

1796

Beschiessung der Stadt durch die österreichische Armee (81 Häuser beschädigt)

1796-1799

Während der Revolutionskriege ist Giessen zeitweise von den Franzosen besetzt

1803

Giessen wird nach der neuen Provinzeinteilung Sitz der Provinzialverwaltung Oberhessen

1803-1810

Entfestigung, Schleifung der Befestigungsanlagen, Beseitigung der Stadttore und Bau von Wachhäuschen an den verbreiterten Stadtausgängen (Oktroihäuschen)

1806

Einführung der Strassenbeleuchtung mit Ölaternen

1809

Der Schiffenberg wird grossherzogliche Domäne

1810-1820

Neubau des Kirchenschiffs der Stadtkirche im klassizistischen Stil (Architekt: Georg Moller)

1812

Georg Philipp Gail gründet die erste Rauchtabakfabrik

1814 November 18.

Hebammen- und Entbindungsanstalt wird eröffnet

1815

Regulierung der Wieseck

1816-1819

Anfänge des Turnens in Giessen unter massgeblichem Einfluss Karl Follens (Führer der "Giessener Schwarzen")

1818

Stadterweiterung, Anlage der Universitätsstrasse (Liebigstrasse), Bau einer Kaserne (später alte Klinik, 1967 abgerissen)

1821

Giessen wird Sitz der Provinzialregierung Oberhessen im Grossherzogtum Hessen-Darmstadt. Die Stadt hat etwa 5.500 Einwohner.

1821

"Auseinandersetzungen" zwischen Studenten und Militär führen zur Verlegung der Garnison nach Worms

1821/22

Im Zuge der Verwaltungsreform wird Giessen Sitz eines Landrats- und Justizamts

1822

Aufhebung der alten Stadtverfassung und Einführung der Gemeindeordnung

1824

Justus von Liebig lehrt bis 1852 an der Giessener Universität

1826

Wilhelm Liebknecht, der Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, wird am 29. März in Giessen geboren

1827-1829

Umbau der Kaserne zur Universitätsklinik

1832

Giessen wird Kreisstadt, Sitz der Kreisverwaltung

1833/34

Georg Büchner hält sich in Giessen auf und verfasst auf der Badenburg die Schrift "Der Hessische Landbote"

1834-1835

Bau des Provinzialgefängnisses (später Hauptzollamt)

1837

Fertigstellung der Chaussee nach Grünberg. Erste eiserne Brücke über die Wieseck. Bau der Realschule durch die Stadt, mit staatlichen Zuschüssen - Abbruch der letzten Stadtpforte aus dem Mittelalter (Neustädter Tor)

1838-1839

Das Collegiengebäude am Brandplatz wird abgebrochen

1840

Bau der ersten katholischen Kirche auf dem Seltersberg

1844

Das Senckenberg'sche Haus am Brand wird Gymnasium, spaeter Kreisamt, dann Arbeitsamt

1845-1848

Bau des Anatomiegebäudes

1846-1848

Neubau der Lahnbrücke und der Strasse in das Hinterland (Rodheimer Strasse). Beginn der Pflasterung von wichtigen Strassen der Stadt

1848 März 3.

Unblutige Tumulte in Giessen

1848 März 4.

Aufruf des Bürgermeisters Ferber, der als Vertreter der Stadt in das Frankfurter Parlament berufen wurde zur Bildung einer Bürgergarde - 1200 Männer aus den Ständen und Parteien melden sich

1848 Mai  18.

Carl Vogt legt das Kommando der Bürgergarde nieder, weil er als Vertreter der Stadt in das Frankfurter Parlament berufen wurde.
30. August: Die Studenten treten aus der Bürgergarde aus und geraten in Gegensatz zu ihr. Es gibt einen Sturm auf das Rathaus, der mit dem Bajonett abgewehrt wird. Der einzige Schuss tötet einen Studenten namens Pfannmueller

1849/50

Mit der Main-Weser-Bahn wird Giessen an das Eisenbahnnetz angeschlossen

1857

Gasbeleuchtung seit 1. Januar in Betrieb

1860

Erstmals Hinauswachsen der Stadt über den Festungsring nach Süden und Osten (Strassenzüge an der Südanlage 1863-65 und Ludwigstrasse 1871)

1864

Das Postamt in der Bahnhofstrasse wird gebaut. Eisenbahnanschluss nach Koblenz

1865

Bau der Turnhalle an der Südanlage

1865-1867

Bau der Synagoge an der Stelle der heutigen Kongresshalle

1867

Giessen wird wieder Garnisonsstadt und bekommt ein Jägerbataillon

1874-1876

Bau der Realschule in der Ludwigstrasse (erweitert 1897/98)

1878

Bau der höheren Töchterschule in der Schillerstrasse

1879

Januar: Einweihung des Gymnasiums an der Südanlage

1879

Eröffnung des Oberhessischen Museums durch den 1878 gegründeten Geschichtsverein

1879

Einzug in das Justizgebäude in der Ostanlage nach Neuordnung des Justizwesens

1879

Wilhelm Conrad Röntgen lehrt bis 1888 an der Giessener Universität. Beerdigt ist er auf dem Alten Friedhof

1883

Errichtung des Städtischen Wasserwerks

1885-1887

Bau der Kaserne am Trieb (Bergkaserne) - erweitert 1895 - 1896

1887

Bau der Goetheschule

1891-1893

Bau der Johanneskirche

1893

Das Alte Schloss auf dem Kanzleiberg wird städtisches Eigentum

1894 August 1.

Eröffnung der ersten Pferdeomnibuslinien

1898

Als eines der modernsten Hallenbäder Deutschlands wird das Giessener Volksbad eröffnet

1900

Einweihung der orthodoxen Synagoge in der Steinstrasse. Erster Pferdemarkt in Giessen

1900-1901

Errichtung des Städtischen Elektrizitaetswerks, erweitert 1907 - 1908 und 1930

1902-1904

Bau der Universitätsbibliothek in der Bismarckstrasse (im Krieg zerstört)

1902-1907

Herstellung der Kanalisation und einer Kläranlage (1904 - 1905)

1903

Bau der Provinzial-Pflegeanstalt

1903

Beginn des Umbaus im Südflügel des Alten Schlosses zur Aufnahme der Sammlungen des oberhessischen Geschichtsvereins

1904-1905

Neubau der katholischen Kirche in der Liebigstrasse

1906-1907

Bau des Stadttheaters unter anderem aus Spenden der Bürgerschaft

1907

Das Giessener Stadttheater, das seine Entstehung einer Initiative der Bürger verdankt. wird eingeweiht

1909

Die Elektrische Strassenbahn löst die Pferdebahn ab

1920

Das Oberhessische Museum und ein Teil der Gail'schen Sammlungen wird im Alten Schloss untergebracht

1925

Bau der Volkshalle für das mittelhessische Kreisturnfest. Eröffnung des Giessener Flugplatzes

1933

Beginn der Inhaftierung der sogenannten "Staatsfeinde" (SPD- und KPD-Mitglieder)

1937-1938

Beginn der Altstadtsanierung

1939

Giessen wird kreisfreie Stadt. Die Dörfer Wieseck, Kleinlinden und die Gemarkung Schiffenberg werden eingemeindet. Die Zahl der Einwohner wächst auf 42.000

1942

Von August bis Dezember werden die letzten 150, der einst ueber 1.000 zählenden, jüdischen Bürgerinnen und Bürger in die Vernichtungslager transportiert

1944

Durch schwere Luftangriffe wird Giessen zu rund 75 Prozent zer- stört und verliert fast vollständig seine historische Bausubstanz - insb. am 6. Dez. 1944

1945 März  27./28.

Besetzung durch amerikanische Truppen

1946 Mai 25.

Erste Stadtverordnetenwahl nach dem zweiten Weltkrieg

1950-1969

Erschliessung neuer Wohngebiete, Errichtung neuer Industrieanlagen

1957 Juni 26.

Justus-Liebig-Hochschule (seit 1948) wird wieder Universität

1968

Hallenbad an der Ringallee ersetzt das Volksbad

1969

Hessentag in Giessen

1971

Allendorf und Rödgen werden eingemeindet. Giessen hat jetzt 78.000 Einwohner

1973

Der Schiffenberg geht vom Land Hessen in den Besitz der Stadt über

1974

Der Landtag schafft die gesetzlichen Grundlagen fuer die "Stadt Lahn"

1975

Wieseck feiert erste urkundliche Erwähnung vor 1200 Jahren

1975 November 6.

Der Giessener Ring wird eröffnet

1977 Januar 1.

wird Giessen mit Wetzlar und 14 weiteren Gemeinden zu Deutschlands jüngster Grossstadt, der "Stadt Lahn", zusammengeschlossen

1977 März 20.

In der Kommunalwahl sprechen sich die Bürger mit Mehrheit gegen die "Stadt Lahn" aus

1979

Die Stadt Lahn wird am 31. Juli aufgelöst. Giessen ist wieder selbständig und wird nur noch um den Stadtteil Lützellinden erweitert

1986 Mai 1.

Das Bundesnotaufnahmelager wird "Zentrale Aufnahmestelle des Landes Hessen"

1987

Mit der Eröffnung des Waltenfels'schen Hauses als drittem Gebäude des Oberhessischen Museums wird das Museumskonzept abgeschlossen

1989

Nach Öffnung der Grenze zur DDR erlebt die Zentrale Aufnahmestelle einen Ansturm wie noch nie (22.926 Übersiedler kommen im November nach Giessen)

1991

Die Zentrale Aufnahmestelle wird als Asylbewerber- Aufnahmestelle genutzt. Seit dem 1. April 1993 ist das Notaufnahmelager Giessen "Erstaufnahmestelle des Landes Hessen für Asylbewerber". Damit hört die Arbeit des Notaufnahmelagers und der späteren Zentralen Aufnahmestelle Hessen auf

1993 September 30

Die Steubenkaserne wird aufgelöst

1995 August 28.

56 Jahre nach der Zerstörung der Synagogen in Giessen wird im Burggraben das neu errichtete Zentrum der Jüdischen Gemeinde eingeweiht

1997/98

Giessen feiert sein Stadtjubiläum: 800 Jahre Ersterwähnung, 750 Jahre Stadt

2015

SPD Wieseck feiert sein 125. jähriges Jubiläum

2025

Der Einwohneranteil im Ortsteil Wieseck übersteigt nunmehr 15.000 Personen und Wieseck löst sich von der Stadt Gießen ab. Am 1. April 2025 finden die ersten Bürgermeisterwahlen in Wieseck seit 1939 statt.

 

 

 

 

[Home] [Vorstand] [Satzung] [Historisches] [Ortsbeirat] [Termine] [Impressionen] [Wahl 2016] [125 Jahrfeier] [Spenden] [Links] [Impressum] [Datenschutz]